Störungsfaktor Innovation

Das Treffen von Entscheidungen und das Lösen von Problemen gehört unbestritten zu den Aufgaben des Managements. Im Bereich des Innovationsmanagements sind solche Entscheidungen mit in der Regel mit vielen Risiken verbunden. Immer wieder können wir feststellen, dass die Übertragung von Best Practices und  Erfahrungen nur teilweise bis gar nicht auf neue Lösungen anwendbar sind. Das ist oftmals der Grund der sog. „Innovationsflops“, die im Bereich der Industriegüter zwischen 25 und 40% schwankt, während sie auf Konsumgütermärkten noch höher sind (zwischen 35 – 60%).

Die Zahlen aus der Praxis zeigen, dass es keine „one size fits all“-Strategie im Bezug auf Innovationsprojekte gibt. Für jedes Unternehmen muss die aktuelle spezifische interne und externe Situation berücksichtigt werden, bei der organisatorische, strategische, unternehmenskulturelle und marktspezifische Faktoren zum Tragen kommen. Relevante Einflussgrößen, welche sich auf die Innovationsfähigkeit beziehen, werden in der Literatur zumeist über die traditionelle Erfolgsfaktorenforschung ermittelt. Die so gewonnenen Erfolgsfaktoren sind oftmals nicht auf andere Unternehmen übertragbar. Zudem reicht ihre Aussagekraft oft nicht aus, um komplexe Situationen angemessen beschreiben zu können.

Der Lösungsanbieter für Wissens- und Innovationsmanagementlösungen, Pumacy Technologies AG hat deshalb im Rahmen eines von der Europäischen Union kofinanzierten Forschungsprojekts den INNOPLEX-Ansatz (www.innoplex.eu) entwickelt, für den unterschiedliche Herausforderungen an das Innovationsmanagement untersucht wurden: (a) Analyse unternehmensspezifischer Einflussfaktoren für das Innovationsmanagement, (b) Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen diesen Faktoren und Identifikation der Störfaktoren sowie (c) Priorisierung von Innovationsfaktoren und Ableitung von Handlungsempfehlungen.

Die Ergebnisse des Projekts bestätigen, dass für die Innovationsfähigkeit nicht nur Erfolgsfaktoren, sondern auch Störfaktoren von Relevanz sind. Dies verdeutlicht, dass die Anzahl der unternehmensspezifischen Einflussfaktoren sehr hoch ist und ihre Wirkungsweisen qualitativ unterschiedlich sind. Die Komplexität, welche durch die Vielzahl von Einflussfaktoren entsteht und den gegenseitigen Wechselwirkungen untereinander, scheint unüberwindbar zu sein. In diesem Bereich führen uns unsere linearen Denkmuster, wie wir sie oft gebrauchen, an grundsätzliche Verständnisgrenzen. Um dieser Linearität vorzubeugen, wurde im Rahmen des INNOPLEX ein unternehmensinternes Werkzeug, der „Innovation Profiler“ entwickelt. Mit Hilfe dieses Instruments wird das Unternehmen auf das Innovationsverhalten, Innovationsinfrastruktur und Störfaktoren hin analysiert. Mit Anwendung von Methoden der sozialen Netzwerkanalyse wird die Relevanz und situationsspezifische Priorität der Faktoren identifiziert, um die Komplexität abzubilden und für die Priorisierung von Maßnahmen zu reduzieren.

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Abbildung 1: Funktionsweise des Innovation Profilers (Quelle: www.innoplex.eu)

Die Identifizierung der Faktoren, unabhängig, ob es sich um Erfolgs- oder Störfaktoren handelt, wird in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern durchgeführt. Die Aufgabe der Unternehmensanalyse hinsichtlich ihrer Innovationsfähigkeit besteht darin, die Stärken und Schwächen des Unternehmens aufzudecken. Das Ziel ist die Identifikation der Potentiale und ihre strategische Bewertung. Ausgehend von den Ergebnissen hat das Unternehmen verschiedene Entscheidungen bzgl. des Innovationsmanagements zu treffen, wie beispielsweise die Festlegung des Markteintrittszeitpunktes (sog. Timing-Strategien) oder der Beginn der Entwicklungsaktivitäten (Entwicklungs-Timing). Auf der operativen Ebene sind sowohl die personellen als auch die organisatorischen Störfaktoren zu evaluieren und zu überwinden. Diese innovationsfördernden und hemmenden Einflussfaktoren unterliegen, wie das Unternehmen selbst  und seine Umwelt einem ständigen Wandel. Deshalb sollte die Identifikation und Analyse interner und externer Einflüsse ein fester Bestandteil des Innovationsmanagements werden.

Der Einbezug von Störfaktoren im INNOPLEX-Ansatz schließt die Anwendung von Best Practices nicht aus. Vielmehr benötigen diese jedoch eine individualisierte Betrachtung, um auf das Unternehmen abgestimmte Lösung zu generieren, sowie den Einbezug von Störfaktoren, um ein robustes Innovationsmanagement zu entwickeln. Dabei sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass  eine kritische Begutachtung der Störfaktoren kontinuierlich durchgeführt werden sollte. Es geht dabei nicht primär um die Überwindung der Störfaktoren, sondern um ihre explizite Berücksichtigung im Innovationsprozess in Anbetracht der Komplexität der Aufgabe. Mit INNOPLEX wird es gezielt möglich, eben jene Störfaktoren zu identifizieren, die eine besonders prägnante Rolle im Unternehmen einnehmen. Schafft es das Unternehmen, angesichts begrenzter Ressourcen seine Prioritäten für das Innovationsmanagement richtig zu setzen, stellen sich meist erstaunliche Steigerungen seiner Innovationsfähigkeit ein.

Selma Borovac, Pumacy Technologies AG (www.pumacy.de)

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