Bionik als Ideengeber für Möbeldesign – Faltbare Möbel

Designermöbel als Ergebnis wissenschaftlicher Erkenntnisse

plicio-varius Wissenschaft dient der Weiterentwicklung der Menschheit. Die Naturwissenschaften lehren uns die Elemente des Universums zu erkennen, die wirkenden Kräfte zu erfahren und die Zusammenhänge zu verstehen. Die Bionik hat diesem Verstehen noch eins draufgesetzt und erhebt den Anspruch “aus der Natur zu lernen” und die Produkte die der Mensch “künstlich” schafft in Analogie zur Vorgehensweisen und Ausprägungen der Natur zu gestalten.

Wie dies in der Praxis umgesetzt werden kann sei hier am Beispiel der “Faltbaren Möbel” erzählt, die kürzlich in der Fernsehsendung “Die große Show der Naturwunder” von Frank Elstner und Ranga Yogeshwar mehr als 4 Millionen Zusehern präsentiert wurden. Grundlage der Geschichte sind die Faltprinzipien der Natur, systematisiert von Biruta Kresling, Architektin und Designerin. Kreslin, in Paris zuhause, lehrt “Industrial Design scionic” an der Kunstuniversität in Linz. Diese Faltprinzipien konnten drei Studenten sinnvoll nutzen und entwickelten daraus faltbare Möbel.

Armin Steinkasserer, Martin Zimmermann und Alexander Masser stammen aus Italien und Österreich. Die Drei hatten Gelegenheit im Rahmen ihrer Diplomarbeit das Wissen ihrer Lehrer mit ihrem persönlichen Einsatz zu kombinieren und aus der Aufgabenstellung “Bionik – Modulares Faltmöbel” ein neues Produkt zu entwickeln. Dieses Wissen wurde einerseits durch Andreas Lesacher, Fachlehrer an der HTL für Innenraumgestaltung und Holztechnik in Villach und andererseits durch Peter Piccottini, Initiator und Leiter des Bionik-Projektes an der Fachhochschule Kärnten, vermittelt.

Ergebnis der Arbeiten ist ein Sitzmöbel, das aus einer Platte besteht und mittels Faltung aus einer zwedimensionalen Grundfläche in eine dreidimensionale Form gebracht wird. Die Vorteile liegen auf der Hand: Produktion flächiger Elemente und minimaler Platzbedarf für Lagerung und Logistik. So lassen sich 100 Faltstühle auf einem 1 Meter hohen Stapel lagern. Das Oberflächendesign des Faltstuhles läßt viele Möglichkeiten offen. So kann die Platte in der Produktion durch einen Tintenstrahldrucker geschickt werden und wie ein Plakat bedruckt werden. Für Unternehmen zum Beispiel ergibt sich damit die Möglichkeit Fotos, Grafik oder Logos individuell aufzubringen und so individuelle Stühle zu produzieren.

Für Konsumenten oder den Möbelhandel ist vielleicht noch wichtig zu wissen, dass die Stühle ab Oktober 2009 unter dem Markennamen PLICIO erhältlich sind. Weitere Informationen auf http://www.plicio.com

Innovation mit Tradition

Innovation gilt als die wichtigste Qualität am Hightech-Markt. Trotzdem “schaffen” es neue, überlegene Produkte oft nur (sehr) langsam, ihre veralteten Vorgänger zu ersetzten. Für die Anbieter ist es oft durch kleine Anpassungen und Weiterentwicklungen möglich, ihre Technologien am Markt zu halten, obwohl diese nicht mehr auf der Höhe der Zeit sind! So stellte Sony seine Mavica-Digitalkamera bereits 1981 vor, und das Ende der analogen Fotografie schien unmittelbar bevorzustehen. Tatsächlich hielt sich Hersteller Kodachrome noch 28 weitere Jahre am Markt, bis er seine Tore im vergangenen Juni endgültig schließen musste. Ein weiteres Beispiel ist der E-Book-Markt: Bereits in den frühen 1990er Jahren wurde die grundlegende Technologie vorgestellt. Aber trotz des Hypers rund um Amazons Kindle machen E-Books bis heute weniger als fünf Prozent des Buchmarktes aus.

Es macht für Unternehmen daher oft Sinn, neben der neuen Technologie auch in die alten Produkte zu investieren = “Klasskiker” solange wie möglich profitabel zu halten, um in der neuen Technologie konkurrenzfähig zu sein. Oft ist es auch zielführend, alte und neue Technologien zu verbinden. Der herlömmliche Vergaser hat sich nur so lange am Markt gehalten, weil er mit Technologie der Direkteinspritzer kombiniert wurde. Aktuell müssen sich Hybridfahrzeuge bewähren und gelten als Zukunftshoffnung. Für die Konsumenten ist es einfacher, sich durch einen “sanften Wechsel” an die neue Technologie zu gewöhnen. Der Markt hat seine eigene Geschwindigkeit: Im Fall der Automobilindustrie dürften die Kunden in ein paar Jahren dazu bereit sein, reine Elektrofahrzeuge zu akzeptieren.

Wir brauchen (noch) mehr InnovationSpirit -
durchaus mit Traditionsbewusstsein!


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